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Themenreihe: Sehnsucht nach Sydney

In Reisebericht on 20. Mai 2009 at 11:59 am

Sydneys Oper bei Nacht, Australien
„Unheilbares Down-Under-Syndrom“, so lautete die Diagnose nach mehreren sechswöchigen Australienbesuchen für Gastautorin Andrea. Eine Langzeittherapie musste her: 4 Monate Australien im Rahmen einer neunmonatigen Weltreise – das müsste die Sehnsucht doch stillen…

Reisebericht

Sehnsucht, die: Ein Gefühl der inneren Unruhe und des Aufbruchs. Beginnt zumeist mit einem Kribbeln im Bauch und lässt so lange nicht nach, bis vor dem geistigen Auge verlockende Bilder entstehen, die Hände zu einem Reiseführer greifen und langsam auch der Kopf der Sehnsucht nachzugeben beginnt. Durch das diffuse Krankheitsbild ist eine eindeutige Diagnose oft nicht möglich. Bleibt die Symptomatik unerkannt und unbehandelt, führt dies zu einem erschwerten Krankheitsverlauf mit unklaren Nebenwirkungen. Siehe auch Fernweh.

Alles begann einige Wochen nach meinem ersten Australien-Urlaub im Jahr 1991 mit der Selbstdiagnose „Leichtes Down-Under-Syndrom“. Zur Therapie folgten 1992 und 1994 zwei weitere sechswöchige Aufenthalte in diesem so faszinierenden Land. Bald zeigte sich, dass es sich bei der Erstdiagnose um eine Fehldiagnose gehandelt hatte: von „leicht“ war keine Rede mehr. Vielmehr zeigten sich bei mir alle Symptome eines „Chronischen Down-Under-Syndroms“.

Schwere Fälle erfordern radikale Maßnahmen, dachte ich, und versuchte es diesmal mit Entzug. Alternative Therapieformen standen damals hoch im Kurs; Reisen in andere ferne Länder, von Südafrika und Botswana, Thailand und Neuseeland bis hin zu Costa Rica und Jamaika sollten Linderung verschaffen. So traumhaft es oft auch war, mit dieser inneren Verbundenheit, die ich für Australien – das Land, die Leute, die Farben – empfand, konnte keine der anderen Destinationen mithalten. „Therapieresistent“, nennt man das, glaube ich, im Fachjargon.

Ich entließ mich mit der abschließenden Selbstdiagnose „Unheilbares Down-Under-Syndrom“ – gegen Revers und auf eigene Gefahr – aus der bisherigen Behandlungsserie. Und verordnete mir eine Langzeittherapie. 2008 nahm ich mir gemeinsam mit meinem Lebensgefährten Max eine Auszeit, deren Hauptziel eine Weltreise und insbesondere vier Monate in Australien waren. Vorsichtig, sehr vorsichtig näherte ich mich dem Land an: 14 Jahre sind eine lange Zeit, sagte ich mir. Wer weiß, ob es mir dort immer noch so gefällt? Nur nicht zu viel darauf freuen, um keine überzogene Erwartungshaltung heranzuzüchten, so mein Motto.

Am 10. März 2008 war es soweit. Nach 14 Jahren betrat ich erstmals wieder australischen Boden – Herzrasen und Bluthochdruck waren nur einige der Begleitsymptome an diesem Tag. Und wirklich: die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Einheimischen überraschte uns bereits am Flughafen von Sydney und sollte uns vier Monate lang begleiten – egal, ob in Tasmanien, an der Südküste, der Ostküste, dem tiefsten Outback oder dem tropischen Norden.

Auf der Suche nach einer Bleibe für zwei Wochen fuhren wir mit der Fähre in den wunderschön gelegenen Vorort Manly. Die berühmte Oper von Sydney und die Harbour Bridge wurden langsam immer kleiner, die Haare wehten mir um’s Gesicht, mein Gesicht zeigte etwas, was Max gerne als mein „Strahler 80-Lächeln“ bezeichnet, und mein Herz sang (glücklicherweise nur leise). Als wir 20 Minuten später am Hafen von Manly von Bord gingen, war ich ein neuer Mensch, unbeschwert wie selten zuvor. Hatte ich als medizinischer Laie hier mit der fährenbasierten Schnelltherapie womöglich einen Durchbruch in der Medizin geschafft?

Ein Bummel durch die nette Fußgängerzone brachte uns 10 Minuten später nicht nur an der anderen Seite des Ortes an’s Meer, sondern auch Gewissheit. Im Meer tummelten sich Surfer, Bodysurfer und Schwimmer, am Sandstrand und an der Uferpromenade fröhliche Erwachsene, Kinder, Läufer und Radfahrer. Sogar die Hunde wirkten hier glücklicher als anderswo. Neben dieser großen Portion Lebensfreude bot Manly auch jede Menge netter Cafés und Geschäfte – gepaart mit strahlendblauem Himmel und dem türkisesten Meer, das ich je gesehen habe.

Selten habe ich einen Slogan gehört, der so gut auf einen Ort zutrifft, wie jener von Manly: „Seven miles from Sydney, a thousand miles from care“. Keine Frage: genau hier wollten wir zwei stationäre Wochen verbringen.

Tatsächlich fanden wir nur eine Gehminute vom Meer ein Apartment. Und als wir uns mit unserem ersten Picknick am Strand unter die Einheimischen mischten, wusste ich, ich war angekommen – wenn auch alles andere als geheilt. Doch für einen fast schon langen Moment wäre es zulässig gewesen, auf meine Patientenkarte einen neuen Vermerk zu drucken: „Sehnsucht, gestillt!“

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Themenreihe: Socotra – Ein Radabenteuer auf der Insel des Glücks

In Uncategorized on 8. Mai 2009 at 1:50 pm

AndyH und Anita und Ihre Räder im Jemen
Ausgerüstet mit reisetauglichen Fahrrädern, einem heimtückischen Benzinkocher, einer eher unbrauchbaren Landkarte und den notwendigsten Lebensmitteln brach Gastautor AndyH im März 2007 auf, um das ‚Galapagos des indischen Ozeans‘ auf eigene Faust zu erkunden. Ergebnis war dieser tolle Gastbeitrag (in Auszügen) zur Themenreihe „Fernweh-Träume“

Reisebericht

Die Mittagshitze treibt Unmengen an Schweiß aus jeder einzelnen Pore unserer Körper, die voll bepackten Reiseräder bewegen sich träge an der ausgesetzten Bergstraße Richtung Dixam-Plateau hoch und nach wenigen Höhenmetern enden wir völlig ausgelaugt im staubigen Straßengraben, der uns die einzige schattige Möglichkeit bietet der sengenden Mittagssonne zu entkommen. Eigentlich dumm, zu dieser Tageszeit die steile Piste ins Hochland in Angriff zu nehmen, zudem Socotra in etwa auf demselben Breitengrad wie Banglaore in Indien oder Barbedos in der Karibik liegt. Anfang Mai klettern hier die Tagestemparaturen auf jenseits der 40 Grad Marke…
Was treibt einen zu solch einer Jahreszeit auf eine kleine, unscheinbare Insel im indischen Ozean, die einerseits dem Jemen angehört – einer – schenkt man den unzähligen Reisewarnungen diverser westlicher Quellen Glauben – potentiell gefährlichen Reisedestination im Zentrum der vermeintlichen „Achse des Bösen“ und andererseits geografisch näher am bürgerkriegsgeschüttelten Somalia liegt – inmitten der derzeit am piratenverseuchtesten Gewässer der Weltmeere? Es war an einem verregneten Sonntag im Jänner 2007. Anita und ich sitzen gemütlich im Caféhaus und blättern ziellos in einigen aufliegenden Naturmagazinen. Plötzlich tippt mir meine Holde auf die Schulter und zeigt wortlos auf eine Doppelseite. Ich blicke auf bizarr anmutende Drachenbäume, die majestätisch vor einer sanft hügeligen Steppenlandschaft prangen. Weiße, kilometerlange Sandstrände vor türkisblauem Meer werden von unzähligen Wasservögeln bevölkert, Fußspuren im Sand sucht man vergebens. Fruchtbare, palmenbesäumte Flusstäler schlängeln sich durch enge Kalksteinschluchten. Meine Gedanken schweifen zwischen Namibia, Westaustralien und Mexiko. Weit gefehlt, wir haben die Insel Socotra entdeckt, das „Galapagos des indischen Ozeans“.
Shoab – Schnorcheln mit Delfinen

„Das müssen mindestens sechzig Delfine sein! Es ist unbeschreiblich!“. Anita kann es nicht glauben! Gleich drei Delfinschulen, jede mit etwa 20 Tieren, begleiten uns während der Bootsfahrt an den Strand von Shoab. Wir springen mit unseren Taucherbrillen ins Wasser, elegant gleiten die graziösen Meeressäuger unter uns durch. Es ist ein unbeschreibliches Erlebnis! Salem, unser Bootsfahrer, muss viel Geduld aufbringen. Immer wieder wollen wir ins Wasser zu unseren quiekenden Freunden, denn so etwas widerfährt einem nicht oft im Leben. Unser netter Kapitän nimmt es gelassen, scheinbar verhalten sich alle Touristen ähnlich. Der alte Mann spricht zwar kein Wort Englisch, es entsteht jedoch auf Anhieb ein sehr herzliches Verhältnis zwischen uns. Es ist wunderbar zu beobachten, wie glücklich und zufrieden er mit seinem Dasein als einfacher Fischer – und mittlerweile auch als Touristenführer – zu sein scheint. Auf seinem wettergegerbten, faltigen Gesicht liegt immer ein freundliches Lächeln, seine Augen strahlen Güte und Warmherzigkeit aus.

Den ganzen Artikel kann man hier lesen.

Themenreihe: Die Sehnsucht nach Q,X,Y

In Reisebericht on 4. Mai 2009 at 6:24 am

Rio de Janeiro, Zuckerhut, Brasilien
Aus der Themenreihe „Fernweh – Träume“, ein Artikel von Gastautor „traveltime„:

Reisebericht

Wie alles anfing………..
Ende der 50iger……….
Eines Tages klingelte der Postbote persönlich bei meinen Eltern an der Haustür. Er überreichte meiner Mutter eine Ansichtskarte mit dem Motiv des Zuckerhuts in Rio de Janeiro. Er meinte, sie sei so schön, dass er sie persönlich abgeben wolle.
Sie war von einem Mitbewohner im Achtfamilienhaus gesendet worden,der als Maschinist auf einem Handelsschiff arbeitete und viel von der Welt sah.
Meine Eltern sagten immer, wenn du in der Schule gut aufpasst ,kannst du eines Tages auch solche Reisen machen. Beruflich verlief später alles anders.

Die Postkarte aber wurde das erste Exemplar einer großen Sammlung. Immer wenn ich eine neue bekam, nahm ich den Weltatlas zur Hand und suchte die Position.
Das führte in kurzer Zeit dazu, das ich der Beste im Fach Erdkunde war, so wie es damals in der Volksschule hieß.
Als Anerkennung durfte ich immer vor der Stunde in den Lehrmittelraum gehen und die passende ausrollbare Landkarte holen, die dann am Tafelständer aufgehängt wurde. Es brachte mir auch immer ein paar Freiminuten ein.
Einige Mitschüler sagten Streber zu mir, andere bewunderten mich und fragten immer, warst du schon einmal dort ?
Nein, da will ich aber einmal hin, war immer meine Antwort.
Da es damals noch keine Gameboys oder Spielkonsolen gab, mussten wir uns anders beschäftigen. Für mich war das ultimative Spiel: Stadt, Land, Fluss….
Für die wenigen Leser, die es nicht kennen, hier eine Kurzbeschreibung:
Ein Blatt Papier worauf wir eine kleine Tabelle zeichnen und ein Stift sind die Spielgeräte.Mindestspieler sind zwei, nach oben keine Grenze. Ein Spieler sagt laut „A“ und zählt dann stumm das Alphabet weiter, bis einer Stopp sagt, dann muss er den Buchstaben nennen wo er angekommen ist, und nun wird von allen die Tabelle ausgefüllt. Stadt, Land, Fluss – man kann sie auch erweitern mit Tier und Pflanze usw.
Alle Begriffe müssen mit dem Buchstaben anfangen, der genannt wurde.
Wer zuerst fertig ist sagt Stopp!
Bei Einzelnennung gibt es 10 Punkte, bei Mehrfachnennung 5 Punkte. Wer die meisten Punkte hat ist Gewinner.

Irgendwann fand ich kaum noch Gegner die besser waren, dann wurde das Spiel langweilig für mich, und geriet langsam in Vergessenheit.

Dann kamen die ersten Reisen:
Mit meinen Eltern ein Campingurlaub am Edersee. Danach zogen wir wie viele Deutsche wie Hanibal über die Alpen, nur in anderer Richtung.
Lido di Jesolo bei Venedig war das Ziel, wo ich mein erstes echtes Gelatti schleckte.
Als Jugendlicher schloss ich mich oft Jugendgruppen an, und bereiste einige Länder Europas.
Irgendwann später heiratete ich auch eine reiselustige Frau. Mit dem 1. Kleinkind ging es dann erstmal auf die Insel Fehmarn, mehr lag nicht drin, aber der Urlaub war Spitze.
Dann folgten die ersten Flugreisen, Bulgarien, Rumänien und Tunesien und die Tochter war immer 100% frei dabei( Das waren noch Zeiten!).
Als dann später unser Sohn dabei war, reichte das Geld nicht mehr für Flugreisen.
Wir machten das Beste daraus, und knallten uns immer den Kofferraum mit Aldiprodukten voll, und fuhren soweit südlich wie es ohne Zwischenübernachtung ging nach Südfrankreich. Wir waren neun mal hintereinander in Cap d` Agde bei Sete.
Das konnte nicht so weiter gehen, sonst wären wir hier eines Tages noch zu Ehrenbürgen ernannt worden. Wir planten schon Reisen, für die Zeit wenn die Kinder unabhängig sind und nicht mehr mit den Alten mit wollen.
Eines Tages war es soweit. Unser Ziel war einmal auf allen Kontinenten gewesen zu sein, und in allen Ozeanen gebadet zu haben.
Jeder gibt seinen Euro nur einmal aus. Die einen für Autos und Häuser, die anderen für Reisen. Wir gehören zu den letzteren und sparen uns größere Reisen zusammen.

Im Jahr 2001 machten wir auch eine große Südamerika-Rundreise durch vier Länder, Peru, Bolivien,Argentinen und als krönenden Abschluss Brasilien mit Rio de Janeiro.
Die Fahrt im Reisebus vom Hotel zum Flughafen wurde zum einmaligen Erlebnis, nun sah ich zum ersten Mal meinen „Sehnsuchtsort“, den Zuckerhut!
Am nächsten Tag sollte es mit der Seilbahn hinauf gehen. Meine Frau hatte sich aber in Iguacu eine schwere Erkältung eingefangen und lag nun mit 40 Grad Fieber im Bett. Sie sagte „fahr allein hinauf, es ist das Ziel unserer Reise“.
Ich fuhr allein mit unserer Reisegruppe, an der Seilbahnstation sah ich das erste mal freilebende Meerkatzen. Ich genoss die Fahrt in allen Zügen, ein unbeschreibliches Erlebnis, als die Gondeltür aufging und ich den ersten Schritt auf den Zenit meiner Träume machte.
Ein Ausblick der nicht viel Konkurrenz auf diesem Globus hat, vor allem bei klarer Sicht, die nicht oft hier ist.
Dann stand ich regungslos am Aussichtspunkt über der Copacabana.
Es kamen Gedanken, als wenn das Leben an einem vorbei rauscht.
Da war sie wieder, die Ansichtskarte vom Zuckerhut die Ende der 50iger bei uns ins Haus flatterte.
Da war es wieder, das Spiel: Stadt, Land,Fluss…………
Ich ging im Kopf das Alphabet durch, und überprüfte in welchen Ländern ich schon war, die mit den Buchstaben von A-Z beginnen.
Vier fehlten noch Q,X,Y, und Z.

Im Jahr 2006 waren wir im Zuge einer Kreuzfahrt auf Zypern, also abgehakt!

Die Sehnsüchte des Reisens hören nie auf, außer ich finde die Länder die mit
Q,X.Y beginnen.

Themenreihe „Fernweh – Träume“

In Reisebericht on 1. Mai 2009 at 9:09 am

Machu Pichu, Peru
In den nächsten Wochen gibt es eine Themenreihe auf Weltreiselust. Es geht um die Dinge, die das Fernweh anstacheln, die den Menschen zum Reisenden machen. Tolle Autoren haben mir freundlicherweise erlaubt ihre besten Artikel zu diesem Thema hier auf Weltreiselsut zu veröffentlichen. Es geht um Reiselust und Fernweh – es geht um Ziel und erfüllte Träume. Dieses Wochenende geht es los, also kommen Sie wieder!