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Gangster Moloch Hippy Paradies

In Reisebericht, Reisetipp on 30. September 2009 at 12:19 pm

Die Stadtregion Los Angeles ist ein echter Molloch. Fast 14 Millionen Menschen leben in und um die Stadt. Das Kerngebiet der 15 Distrikte soll nur 4 Millionen Einwohner haben, aber die Grenzen sind so fließend wie die Hollywood Hills.Von den Orten der Reichen und Schönen in Beverly Hills bis hin zu den brandgefärlichen Vororten South Los Angeles und Watts. Dort bekämpfen sich Straßengangs mit brutaler Gewalt. Die 18te und 38te Straße gehören zu den gefährlichsten Straßen der USA und der Welt. Die dort lebende verarmte afroamerikanische Bevölkerugng hat kaum eine Chance zum sozialen Aufstieg und keine Zugang zu guten Schulen. Für viele junge, in einem Klima der Gewalt sozialisierten Schwarzen, ist die Mitgliedschaft in einer Gang die einzige Möglichkeit ihre Familie zu ernähren. Schon in den 1960er Jahren gründeten sich daher in L.A die berüchtigten Gangs, die heute einen Großteil des Drogenhandels in Nordamerika kontrollieren. Seit Anfang des Jahrtausend ist die Gewalt zwar deutlich rückläufig, dennoch sollte bei einem Besuch der Stadt weder Watts noch South Los Angeles auf der Liste der Sehenswürdigkeiten zu finden sein. Die Kriminalitäts- und Mordrate ist dort bis zu 10 mal höher als im Rest der USA.

Den absoluten Kontrast zu dieser Armut und Gewalt bietet Stadtteile wie Hollywood mit dem berühmten und ziemlich mickrigen Rodeo Drive, oder das südlich angrenzende Orange County. Millionenschwere Villen mit Strandanschluss kämpfen mit aufgespritzten „Gold Diggern“ um die Aufmerksamkeit derjenigen die in Los Angeles ihr Dollarglück fanden. Beides hat in Los Angeles einen Platz. Aus Sicht eines Reisenden ist dieser Teil Loas Angeles sicher der langweiligste. Den die Läden am Rodeodrive haben meist keine Eingänge und sind nur über die Tiefgaragen zu betreten und die Villen sind hinter Mauern und Hecken vor neugierigen Blicken verborgen.

Ganz anders der Stadtteil Santa Monica. Surferflair und jugendliches modernes Hippitum herrscht hier vor. Der Santa Monica Pier ist ein bekannter Ausflugsort für die Städter, Kleinkünstler und Straßenhändler bestimmen das Bild rund um diese aus tausenden Filmen bekannte Sehenswürdigkeit. Nicht weit vom Pier entfernt gibt es eine echte Seltenheit in den USA, eine Fußgängerzone. Entlang der Third Street lässt sich schön schlendern und auch hier wird eine Menge Kleinkunst dargeboten. Interessanter Weise gehört auch Santa Monica streng genommen nicht zu Los Angeles sondern ist eine eigenständige Stadt mit fast 90.000 Einwohnern. So hat Santa Monica eine eigene Polizei und ein eigenes ausgezeichnetes Busnetz. Auch dies eine wirkliche Seltenheit in den USA. Mit diesen Big Blue Line Bussen kann man auch sehr schnell in Richtung Venice Beach fahren. Eher unspektakulär ist die Ecke Lincoln Blvd./Olympic Blvd. An dieser unscheinbaren Ecke endete die berühmte „Route 66“, die einmal quer durch die USA führt. Auch heute sieht man manches mal eine Gruppe Harleyfahrer, Radler und sogar auch Fußgänger dort ankommen und sich beglückwünschen. Sie haben gerade eine 3900 km lange Reise beendet.

Los Angeles ist nicht für jedermann. Es ist einerseits abstoßend, andererseits erfrischend anders und dynamisch. Man kann es nur mit einem Satz beschreiben: Gangster Moloch Hippy Paradies.

Dom über Wald

In Reisebericht, Reisetipp on 14. Mai 2009 at 10:58 am

Der Half Dome im Yosimite Calley, USA
Der Kölner Dom, der Dom von Speyer. Alle stehen mehr oder weniger unversehrt in Städten herum und ragen aus dem Häusermeer. Im Gegensatz zum berühmtesten Dom der USA sind sie aber nur Zwerge. 2.693 m erhebt sich der „Half Dome“ über den sanften Wäldern des Yosemite-Nationalpark. Ein riesiger Granitfelsen, durch Erosion fast halbiert, trohnt er über dem Tal. Es gibt nur wenige Orte auf dieser Welt, die einen so atemlos am Aussichtspunkt stehen lassen, wie das berühmte Yosimite Valley. Mitten im gleichnamigen Park gelegen bietet es nicht nur die zwei grandiosen Felskulissen von Half-Dome und El-Capitain. Nein es stützen auch riesige Wasserfälle in die Tiefe, Flüsse und Seen spiegeln den blauen Himmel und sanfte Wälder säumen die felsigen Steilwände.
Yosimite Valley und Half Dome
Naturromantik wie aus der Phantasie der Maler der Romantik. Tausendmal fotografiert, Kulisse hunderter Filme. Dennoch ist es etwas ganz anderes wenn man selber im Tal steht. Im Frühjahr und Spätherbst, wenn die Touristen ausbleiben und Schnee hoch oben in den Bergen liegt, die kalte klare Luft im Gesicht brennt und man fast alleine neben dem donnernden Wasserfall steht oder den einsamen Trail entlang stiefelt – dann ist es hier am schönsten. Aber auch Frühmorgens oder bei Sonnenuntergang, wenn die Felsen in der Sonne glühen. Yosimite lässt staunen.

Insider Tipp

Im Sommer wird es voll, gerade am Wochenende. Die Touristen steuern im stockendem Verkehr die regelmäßigen Viewpoints an, um die Aussicht zu genießen und zu fotografieren. Während dieses Panorama schon toll ist, wirklich atemberaubend wird es, wenn man einen der zahlreichen Trails entlangwandert. So kann man entlang des Panorama Trails oder des four-mile-Trail regelmäßige Blicke auf das Valley erhaschen ohne von Abgaswolken eingehüllt zu sein. Noch spannender ist das „Little Yosimite Village“ direkt hinter dem Half Dome. Hier kann man sein Zelt in der freien Natur aufschlagen und bis zur Abbruchkante des Granitfelsens wandern. Aber Achtung, aufgrund der zahlreichen Überbleibsel der zeltenden Backpackern wird diese Stelle sehr gerne von Bären besucht……

Reisebericht: Silbersurfer an der Steilküste

In Reisebericht on 20. April 2009 at 7:58 am

Big Sur Brücke am Highway Number One<h2>Reisebericht</h2>

Eine legendäre Straße führt die Pazifikküste der USA entlang – die Route Number One. Ein Abschnitt der Transamericana, die von Alaska nach Feuerland führt. Eng schmiegt sich die Straße an die Steilküste des Pazifik. Von Monterey aus nach Süden heißt sie auch Cabrillo Highway und führt durch das absolute Niemandsland von Traumbucht zu Traumbucht. Viel schneller fährt man inländisch über die Interstate 101. Immer geradeaus, den Tempomat auf 75 Meilen.

Die Route Number One dagegen macht Kurve um Kurve, mit 25 Meilen pro Stunde schleicht man dahin, laufende Stops an den regelmäßigen „View Points“ nicht eingerechnet. Es gibt keine Tankstellen, keine Imbisswagen, keine Dörfer und keine Schoppingmalls entlang dieser Straße. Es gibt nur Asphalt, Meer und Fels. Den ganzen Morgen staunt man über die Wunder der Natur, atmet die Seeluft ein und lauscht dem Grollen der Brandung an den schwarzen Felsen.

Nach endlos schönen Kurven öffnet sich das Land und über eine Küstenlandschaft wie in der Normadie, fährt man auf die erste Siedlung seit Stunden zu. Ein paar Motels zusammengepfercht an den Highway. San Simeon. Eines der Motels trägt den schönen Namen „Silversurf Motel“. Nichts besonderes, sauber und nett. Gegenüber kann man runter zum wilden Strand. Die Brandung schleudert Gicht über die kleine Bucht und ein einsamer Seehund liegt träge in der Abendsonne. Die kleine Brücke über den namenlosen Fluß glüht in der Abensonne. Aus dem Silversurf Shop haben wir ein paar Getränke und spärliches Essen besorgt, aber bei diesem Ambiente wird es zu einem Festmahl-Piknik. Die Sonne geht langsam unter. Was für ein Tag….