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Archive for the ‘Reisebericht’ Category

Langsames Erwachen

In Reisebericht, Reisetipp on 15. September 2009 at 11:43 am

Morgends auf der Magnificent Mile Chicago

Auch auf der Magnificent Mile in Chicago endet die Nacht, wenn der Morgen beginnt und der ist in Chicago meistens windig und kalt. Die meiste Zeit des Jahres wehen eisige Winde durch die Straßen, während entweder ein strahlend blauer Himmel oder beißender Nebel die Bewohner erwartet. Nur im Sommer wird es warm und die Strände der Stadt füllen sich mit Menschen. Die Magnificent Mile erwacht mit dem rhytmischen Piepen der Müllfahrzeuge, die begleitet von dick eingemummten Arbeitern die Reste des vergangenen Tages entsorgen. Die nach der 5th Avenue New York und dem Rodeo Drive Beverly Hills, drittbekannteste Einkaufsstraße der USA ist eine von zwei Lebensadern der Stadt. Auch wenn die Mile bei Touristen sehr beliebt ist, ist bei Einheimischen der „Loop“ das Maß aller Dinge. Der Loop ist die Schleife der Hochbahn, die sich ratternd und knatternd über den Straßen der Südlichen Innenstadt entlang quält. Die Magnificent Mile dagegen ist Hell und offen und führt vom Fluß bis zum John Hancock Center.

Dieses prägende Hochhaus mit pechschwarzer Fassade am nördlichen Ende der Stadt war einmal das zweithöchste Haus der Welt. Wie immer in Chicago war man nicht die Nummer eins. Wahrscheinlich der Grund warum der Sears Tower im Süden Chicagos gebaut wurde. Damit war Chicago immerhin eine Zeit lang die Nummer eins der Welt. Das besondere am John Hancock Center ist aber weder die Höhe, noch das gewöhnlich Äußere. Es ist der Fakt das es sich um ein Wohnhaus handelt. Hier wohnen aufstrebende Amerikaner, die sich Anfang der siebziger Jahre hier ein Appartement leisten konnten. Man stelle sich vor hier zu leben und jeden Morgen mit Blick über die Stadt aufzuwachen. Wenig später geht man dann in den 44. Stock einkaufen und in den 10. Stock in die Parkgarage um zur Arbeit zu fahren. Welch surreales Leben in einer Stadt mitten in der Stadt.

Mittlerweile füllt sich die Northern Michigan Avenue mit Menschen, so der offizielle Name der Magnificent Mile. Die weißen Wolkenkratzer aus den Boomjahren der 20’er strahlen mit den modernen Glaspalasten um die Wette. Starbucks Kaffeduft erfüllt die Luft, Diamanten funkeln aus den Fenstern von Tiffany und Co, Anzugträger hasten zur Arbeit und die Bewohner der nördlichen Wohngegenden kommen nach und nach zur Arbeit. Im Gegensatz zum undurchsichtigen Los Angeles, zur vernsnobten Wallstreet und autolastigen Atlanta kann man hier den morgendlichen Rhytmus Amerikas einatmen. Ein Duft der allen Kapitalisten schmeckt. Unter der Straße gibt es ein paar Tunnel für den Nahverkehr. Hier übernachten die Obdachlosen um Schutz vor der Kälte zu finden. Schönes, reiches, armes Amerika…

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Der Weg ist das Ziel

In Reisebericht, Reisetipp on 3. September 2009 at 12:54 pm

So mancher Luxustourist hoppt per Flugzeug durch die Lande. Städte werden gesammelt wie Medallien. Paris, London, New York und Mailand. Von Heathrow, JFK und Charles de Gaude per U-Bahn in die Stadt. Viel zu oft hört man diese Leute dann schwadronieren, über die Hektik der Amerikaner, die Unfreundlichkeit der Franzosen oder die hohen Preise in England. Das eine richtige Reise erst beginnt wenn man die Städte hinter sich lässt, wenn man das Land so erfährt wie die Einwohner, dass stößt auf taube Ohren.

Interessanter Weise ist es der selbe Typ Mensch der trotz Stau mit dem Auto in die Innenstadt fährt, weil S-Bahn fahren eklig sei. Aber gerade die Bahn ist Schauplatz des waren Lebens. Gestresste Manager, müde Arbeiter aus der Nachtschicht, lärmende Schüler und ordinäre Idioten sind ein besseres Real Life Programm als RTL2. Wer bei „Frauentausch“ noch denkt „Das ist doch ein Drehbuch“ wird in der S-Bahn eines besseren belehrt.

Fremde Länder, fremde Verkehrsmittel

Eine Reise mit der thailändischen Bahn, mit türkischen Dolmuc und amerikanischen Pickups wirft einen Reisenden genauso in das wahre Leben anderer Länder, wie die S-Bahn fahrt in Deutschland. Die Thailändische Bahn in der zweiten und dritten Klasse pfercht zusammen. Die langen Stunden werden automatisch mit Konversation gefüllt, da wir Menschen keine Stille ertragen können. Mit Händen und Füßern macht man sich verständlich, isst zusammen, lacht zusammen. Wer in den USA trampt und mitgenommen wird hat gar keine Wahl als Konversation zu betreiben. Im Zweifel war das sogar der Grund, warum man plötzlich bei wildfremden im Auto sitzt. Die unkomplizierte Art der Amerikaner lässt einen schnell auftauen und viele „like“, „amazing“ und „great“ später kennt man die Geschichte des Fahrers und er auch deine. Überhaupt gehört ein Roadtrip durch das ländliche Amerika zu den spannendsten Reisen überhaupt, da man so viele interessante und spezielle Menschen trifft.

In der Nacht versteckt

Immer wieder fahre ich durch die Nacht. Der Übernachtbus nach Krabi, der Schlafzug nach Bangkog, die Fahrt nach Florence, South Carolina, die Fahrt durch die Bay Area, die Studentengegend in Paris, die Fahrt durchs nächtliche Italien – ein Land sieht Nachts anders aus als tagsüber. In Deutschland dank monotoner Autobahn die pure Langweile, sind die Straßen anderer Länder Quellen des Lebens. Und Nachts tobt das Leben besonders und besonders beleuchtet. Seien es die beeindruckenden Nachtmärkte in Thailand, die Straßen in Spanien oder das Studentenviertel in Flagstaff, das Leben pulsiert und als Reisender dort anzuhalten und mittendrin zu essen, zu lachen oder zu feiern ist etwas ganz Besonderes.

Der Luxustourist und der Pauschaltourist wird dies nicht erleben. Stationär gebunden an eine Destination glaubt man ein Land kennen zu lernen, falls man das Hotel überhaupt verlässt. New York ist aber nicht Manhatten und erst recht nicht Amerika. Phukets Touristenzentren sind die Horrorversion des wunderschönen Thailand und Mallorca ist nicht Spanien. Erst wenn man wirklich durch ein Land reist, reist man wirklich. Frei nach der Devise: Der Weg ist das Ziel

Nachlese: Krokodile im Grünen

In Reisebericht, Reisetipp on 26. August 2009 at 9:40 am

Wat Benchamabopit
Der Bezirk Dusit und der gleichnamige Dusit Zoo in Bangkok gehört sicher nicht zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten dieser Weltstadt. Er liegt etwas abseits in der Nähe des Alten Parlaments und ist zu Fuß nur mit einiger Mühe zu erreichen. Dabei gibt es in und auch um den Zoo eine Menge zu sehen. Der Zoo selbst kostet nur 50 Bath Eintritt und bietet vor allem asiatische Tiere. Besonderer Stolz sind die Krokodile und Affen. Tatsächlich ist es aber vor allem interessant die Thailänder bei Ihrer Freizeitgestaltung abseits der Touristenwege zu beobachten. Zusammen mit ihnen im großen Foodcourt zu essen und mit der Bimmelbahn durch den Zoo zu fahren.

Der Foodcourt ist die größte Herausforderung, da es weder englische Beschreibungen gibt, noch irgendeiner der Bediensteten der englischen Sprache mächtig ist. Also muss man sich mit Händen und Füßen verständigen um etwas zu essen zu bekommen. Dabei muss man seine deutschen Hygienegewohnheiten erst einmal etwas runter schrauben. Denn Fleisch ist in jedem Gericht vorhanden und Kühlschränke gibt es offensichtlich keine, trotz 35 Grad Außentemperatur. Na ja die Fliegen werden es schon sauber halten… Mir hat es auf jeden Fall geschmeckt.

Die Gegend rund um den Zoo trägt denselben Namen (Dusit) und ist die Grünste in ganz Bangkok. Es gibt eine ganze Ansammlung unbekannter Wats. Diese sind zum Teil sehr liebevoll angelegt, mit kleinen Bächen und Seen. Ganz anders als die eher kleinen und engen Wats in Banglampoo. Besonders das Wat Benchamabopit mit seinen Pavillons am Wasser ist sehr sehenswert.
Der Dusit Palast (Phra Ratchawang Dusit), der kleine Bruder des großen , ist nach der Vorlage der europäischen Paläste und Schlösser gestaltet und bricht doch sehr mit der bekannten Optik anderer Thaipaläste. Dafür ist die Anlage um einiges weitläufiger und damit auch an heißen Tagen gut zu besuchen.
Krokodil im Zoo Bangkok

Kampf der Natur

In Reisebericht on 18. August 2009 at 12:17 pm

Eine Reise mit dem Zelt ist eine wunderschöne Sache. Wenn man wir ich das Zelt in einem Pinienhain aufstellt und vor dem Zelt sitzend den Sonnenuntergang über den sanften Hügeln der Toskana beobachtet….wunderschön.
Nach dem Sonnenuntergang liest man ein wenig und legt sich ins Zelt um in den wohlverdienten Schlaf zu gleiten. Und nur wenige Sekunden später verflucht man das Zelten, den Sommer, die Toskana und vor allem die Natur.
Da sitzt diese verdammte Grille, offensichtlich direkt neben dem Zelt und zirpt sich die nicht vorhandene Lunge aus dem Laib. Egal welches ruhige Plätzchen ich mir ausgesucht habe, diese verfluchte Grille folgte mir durch ganz Italien.
Egal ob mein Kopf nach Norden, Süden oder Westen ausgerichtet war, die liebe Grille saß direkt neben meinem Ohr. Und nein nicht etwa ein schöner Chor von Grillen die im hohen Gras saßen, nein eine einzelne Grille verfolgte mich.

Nach kurzem Hoffen, das sich dieses mal eine weibliche Grille erbarmen möge dieses einzelne, einsame und unbeschreiblich laute Tier zu besuchen und dem zirpen ein Ende zu bereiten. Nach weiteren fünf Minuten hofft man auf einen Vogel, der angelockt vom unbändigen Geschrei der Grille dem Leben dieses Tieres ein Ende bereitet. Nach nochmals 5 Minuten ist es das eigene Geschrei, das das Tier verjagen soll. Wenn man dann laut fluchend mit Taschenlampe bewaffnet um das Zelt stolpert, jede Nacht aufs neue über die Abspannungen fällt, dabei Heringe herausreist, die Taschenlampe im hohen Gras verliert, dann verflucht man das Zelten.

Es sind 5 Tage vergangen. Die Grille heist jetzt Edgar und wird freundlich, einem Freitag aus Robinson Cruso gleich, in die Konversation aufgenommen. „Alles klar Edgar?“ – „Zirp“, „Super“, „Zirp“. Der Frieden wurde gefunden, das Zirpen ist ein Teil des Einschlafrituals. Sanftes zirpen, dank Oropax. Reisen mit dem Zelt ist doch was schönes. Und wenn man dann mit Edgar vor dem Zelt sitzt und den Sonnenuntergang beobachtet, das liebt man die Natur wieder. Bis Max kommt – Max der verfluchte Moskito…..

Fassaden und Wasser

In Reisebericht, Reisetipp on 7. August 2009 at 10:55 am

Canale Grande Venedig von Rialtobrücke

Wenn es einen Ort auf dieser Welt gibt, wo man nie hätte eine Stadt bauen sollen, dann in der blauen Lagune von Venedig. Sandiger Boden, salziges Wasser, erbarmungslose Sonne, schlechte Frischwasserversorgung. Es gibt tausend Gründe, warum die ganze Stadt Venedig eine wirklich schlechte Idee war. Nun, vielen Dank an die Venizianer, dass sie diese Perle unter den Städten dieser Welt doch auf die 181 Inseln gezwängt haben. Denn so konnte ich die Lagunenstadt besuchen.

Reisebericht

Viele Stöhnen über die Touristenmassen, die hohen Preise, die Hitze, dabei ist Venedig sehr freundlich zu seinen Gästen. Und wenn man zu Fuß die Stadt erkundet, Seitengassen nutzt und abseits von San Marco die Cafes besucht, dann ist Venedig eine ruhige, schöne und günstige Stadt.  Nach einem Frühstück an der Bar mit Croissant und Café Latte für grandiose 2 € setzt man sich in das Vaparetto 1, die öffentlichen Boote. Damit lässst man sich gemütlich 25 Minuten lang durch den Canale Grande schippern. Wenn man früh drann ist kann man auf dem Markusplatz noch ein wenig Ruhe genießen. Ab ca. 10.30 Uhr kommen aber die Touristenmassen. Diese schießen Foto um Foto, latschen zur Rialtobrücke, zahlen 80 € (!) pro Person für einen Gondelfahrt und kaufen billig hergestellte echt venizianische Andenken „Made in China“.

Einmal abbiegen bitte, zu San Zacharria. 2 Minuten vom Markusplatz liegt diese schöne Piazza ganz leer und ruhig da. Von da aus über Santa Maria Formosa in Richtung Rialtobrücke. Erst ganz am Ende wieder Touristen. Dazwischen kleine Läden, Gelaterias und ein Supermarkt wo das Wasser 75 cent statt 4 Euro kostet. Nach der Rialtobrücke links. Immer paralell zum Canale Grande wandert man ungestört durch kleine Gassen und über kleine Brücken. Über den Kanälen hängen die Venizianer ihre Wäsche zum Trocknen auf.

Viele Häuser stehen leer. Halb Venedig besteht aus Fassaden, wie in den Universal Studios is Hollywood. Dort lebt schon lange keiner mehr. Innen stützt ein Stahlsklett das Haus vor dem Einstürzen. Fast die Hälfte der Einwohner hat das lebende Museum verlassen. Venedig sinkt, pro Jahr um 3,5 cm. Genauer gesagt sinkt Venedig nicht, sondern der Meeresspiegel steigt. Gletscher schmelzen, der Südpol schmilzt und Venedig wird eines der ersten Opfer des Klimawandels sein. Noch kann man es besuchen, bevor es irgendwann zu spät ist.