weltreiselust

Der Weg ist das Ziel

In Reisebericht, Reisetipp on 3. September 2009 at 12:54 pm

So mancher Luxustourist hoppt per Flugzeug durch die Lande. Städte werden gesammelt wie Medallien. Paris, London, New York und Mailand. Von Heathrow, JFK und Charles de Gaude per U-Bahn in die Stadt. Viel zu oft hört man diese Leute dann schwadronieren, über die Hektik der Amerikaner, die Unfreundlichkeit der Franzosen oder die hohen Preise in England. Das eine richtige Reise erst beginnt wenn man die Städte hinter sich lässt, wenn man das Land so erfährt wie die Einwohner, dass stößt auf taube Ohren.

Interessanter Weise ist es der selbe Typ Mensch der trotz Stau mit dem Auto in die Innenstadt fährt, weil S-Bahn fahren eklig sei. Aber gerade die Bahn ist Schauplatz des waren Lebens. Gestresste Manager, müde Arbeiter aus der Nachtschicht, lärmende Schüler und ordinäre Idioten sind ein besseres Real Life Programm als RTL2. Wer bei „Frauentausch“ noch denkt „Das ist doch ein Drehbuch“ wird in der S-Bahn eines besseren belehrt.

Fremde Länder, fremde Verkehrsmittel

Eine Reise mit der thailändischen Bahn, mit türkischen Dolmuc und amerikanischen Pickups wirft einen Reisenden genauso in das wahre Leben anderer Länder, wie die S-Bahn fahrt in Deutschland. Die Thailändische Bahn in der zweiten und dritten Klasse pfercht zusammen. Die langen Stunden werden automatisch mit Konversation gefüllt, da wir Menschen keine Stille ertragen können. Mit Händen und Füßern macht man sich verständlich, isst zusammen, lacht zusammen. Wer in den USA trampt und mitgenommen wird hat gar keine Wahl als Konversation zu betreiben. Im Zweifel war das sogar der Grund, warum man plötzlich bei wildfremden im Auto sitzt. Die unkomplizierte Art der Amerikaner lässt einen schnell auftauen und viele „like“, „amazing“ und „great“ später kennt man die Geschichte des Fahrers und er auch deine. Überhaupt gehört ein Roadtrip durch das ländliche Amerika zu den spannendsten Reisen überhaupt, da man so viele interessante und spezielle Menschen trifft.

In der Nacht versteckt

Immer wieder fahre ich durch die Nacht. Der Übernachtbus nach Krabi, der Schlafzug nach Bangkog, die Fahrt nach Florence, South Carolina, die Fahrt durch die Bay Area, die Studentengegend in Paris, die Fahrt durchs nächtliche Italien – ein Land sieht Nachts anders aus als tagsüber. In Deutschland dank monotoner Autobahn die pure Langweile, sind die Straßen anderer Länder Quellen des Lebens. Und Nachts tobt das Leben besonders und besonders beleuchtet. Seien es die beeindruckenden Nachtmärkte in Thailand, die Straßen in Spanien oder das Studentenviertel in Flagstaff, das Leben pulsiert und als Reisender dort anzuhalten und mittendrin zu essen, zu lachen oder zu feiern ist etwas ganz Besonderes.

Der Luxustourist und der Pauschaltourist wird dies nicht erleben. Stationär gebunden an eine Destination glaubt man ein Land kennen zu lernen, falls man das Hotel überhaupt verlässt. New York ist aber nicht Manhatten und erst recht nicht Amerika. Phukets Touristenzentren sind die Horrorversion des wunderschönen Thailand und Mallorca ist nicht Spanien. Erst wenn man wirklich durch ein Land reist, reist man wirklich. Frei nach der Devise: Der Weg ist das Ziel

  1. Nachts reisen ist immer besonders toll. Als wir in Rom waren, haben wir uns einfach in einen Nachtbus gesetzt (bei dem wir hofften, dass er uns halbwegs nach Hause bringt) und konnten so nochmal halb Rom bei Nacht betrachten, wobei auch fast alle bekannten Orte abgefahren wurden🙂
    Für Touristen ist es aber natürlich auch schwer sich zurechtzufinden. Man hat oft ja nur wenige Tage und will dann möglichst alle Sehenswürdigkeiten abklappern. Um die großen Städte dieser Welt wirklich kennenzulernen, braucht man allerdings viel mehr Zeit und jemanden der sich auskennt, da die schönsten Ecken oft gut versteckt sind.

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