weltreiselust

Fassaden und Wasser

In Reisebericht, Reisetipp on 7. August 2009 at 10:55 am

Canale Grande Venedig von Rialtobrücke

Wenn es einen Ort auf dieser Welt gibt, wo man nie hätte eine Stadt bauen sollen, dann in der blauen Lagune von Venedig. Sandiger Boden, salziges Wasser, erbarmungslose Sonne, schlechte Frischwasserversorgung. Es gibt tausend Gründe, warum die ganze Stadt Venedig eine wirklich schlechte Idee war. Nun, vielen Dank an die Venizianer, dass sie diese Perle unter den Städten dieser Welt doch auf die 181 Inseln gezwängt haben. Denn so konnte ich die Lagunenstadt besuchen.

Reisebericht

Viele Stöhnen über die Touristenmassen, die hohen Preise, die Hitze, dabei ist Venedig sehr freundlich zu seinen Gästen. Und wenn man zu Fuß die Stadt erkundet, Seitengassen nutzt und abseits von San Marco die Cafes besucht, dann ist Venedig eine ruhige, schöne und günstige Stadt.  Nach einem Frühstück an der Bar mit Croissant und Café Latte für grandiose 2 € setzt man sich in das Vaparetto 1, die öffentlichen Boote. Damit lässst man sich gemütlich 25 Minuten lang durch den Canale Grande schippern. Wenn man früh drann ist kann man auf dem Markusplatz noch ein wenig Ruhe genießen. Ab ca. 10.30 Uhr kommen aber die Touristenmassen. Diese schießen Foto um Foto, latschen zur Rialtobrücke, zahlen 80 € (!) pro Person für einen Gondelfahrt und kaufen billig hergestellte echt venizianische Andenken „Made in China“.

Einmal abbiegen bitte, zu San Zacharria. 2 Minuten vom Markusplatz liegt diese schöne Piazza ganz leer und ruhig da. Von da aus über Santa Maria Formosa in Richtung Rialtobrücke. Erst ganz am Ende wieder Touristen. Dazwischen kleine Läden, Gelaterias und ein Supermarkt wo das Wasser 75 cent statt 4 Euro kostet. Nach der Rialtobrücke links. Immer paralell zum Canale Grande wandert man ungestört durch kleine Gassen und über kleine Brücken. Über den Kanälen hängen die Venizianer ihre Wäsche zum Trocknen auf.

Viele Häuser stehen leer. Halb Venedig besteht aus Fassaden, wie in den Universal Studios is Hollywood. Dort lebt schon lange keiner mehr. Innen stützt ein Stahlsklett das Haus vor dem Einstürzen. Fast die Hälfte der Einwohner hat das lebende Museum verlassen. Venedig sinkt, pro Jahr um 3,5 cm. Genauer gesagt sinkt Venedig nicht, sondern der Meeresspiegel steigt. Gletscher schmelzen, der Südpol schmilzt und Venedig wird eines der ersten Opfer des Klimawandels sein. Noch kann man es besuchen, bevor es irgendwann zu spät ist.

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