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Review: Verlorenes Lachen in Antalyas Basar

In Reisebericht on 20. Juni 2009 at 9:36 am

Grand Basar Istanbul Türkei

Reisebericht

Ali, verkauft T-Shirts in Antalyas Basar. Dort hat schon lange der Pauschaltourismus Einzug gehalten. Nichts ist mehr zu spüren von den dunklen Gängen und dem geschäftigen Treiben eines echten orientalischen Basars, so wie es im Jahre 1996 noch zu spüren war. Heute gibt es ein Glasdach statt Wellblech. Statt türkischer Sprache hört man nur deutsch. Ali kennt noch die guten alten Zeiten des Basars. Damals waren die deutschen Gäste noch Freunde und nicht Milchkühe die es zu melken gilt. „Touristen bringen Geld, Geld macht die Menschen schlecht“ sagt Ali. Recht hat er. Schaut man sich die Händler an, fällt einem auf wie jung alle sind. Vor einigen Jahren war das noch anders. Das Handeln, einst das Herz des Basars ist verkommen. Festpreise und aggressives Handeln prägen heute das Bild. Mit Ali kann man aber noch auf die alte Art handeln. Und zwar ein Handeln voller Lachen und Lächeln.

Zuerst gibt es aber einen Tee. „Apfeltee? Gut für Gesundheit“. Na dann kann ja nichts mehr passieren. Ali verlangt einen unglaublich hohen Preis für das läppische T-Shirt. Mit einem Lachen wendet man sich ab, tut so als würde man den Laden verlassen . Alles nur ein Spiel, man hat den Tee ja noch in der Hand. Ali spielt natürlich mit: „Halbe Preis!“ ruft er mir nach, voller gespieltem Entsetzen über den verlorenen Kunden. Ich bleibe hart. mit einem Gesichtsausdruck voller Schmerz über meinen beleidigt niedrigen Preis steckt Ali beide Hände in die Tasche und zieht das Innenfutter nach außen: „Ich bin ein armer Mann, leere Taschen!“ wimmert er. Natürlich mache ich es ihm nach, meine Taschen sind genau so leer. Ein Funkeln der Freude in Alis Augen. Er pfeffert seine Slipper in eine Ecke des Ladens: „Schau, Loch in Socken, ich hab kein Geld für neue!“. Ich greife neben mich, eine große Packung gefälschter Armani Socken. „Nimm doch die aus deinem Laden?“ sag ich. „Ich hab nichtmals Schuhe!“ jammert Ali.

Großartiger Schachzug, hat er doch gerade erst seine Schuhe in die letzte Ecke des Ladens geschmissen. Ich muss bewundernd eingestehen, dass mir nichts mehr einfällt. Ali ist doch ein Händler des alten Schlages. Ich trink noch einen Tee, schwatze ein bisschen mit Ali und kaufe dann das T-Shirt und die Socken zusammen für genau 50 % des ursprünglich für das T-Shirt veranschlagten Preis. Ali lacht vor Freude und wendet sich einem dickbäuschigen Deutschen zu. „5 Euro mehr nicht“ bafft der Ali an. Ich kann spüren wie Ali mir sehnsuchtsvoll hinterherschaut.

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