weltreiselust

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Gegen den Wind

In Reisebericht on 31. Mai 2009 at 12:47 pm

Nebel in Chicago
Sie wird die Stadt des Windes genannt: Die „windy City“ Chicago. Sie liegt an der Grenze zu jener Mitte des Landes, die abschätzig der „mittlerer Westen“ genannt wird. Weder Westen noch Mitte, ganz bestimmt nicht Osten. Wir Deutschen schauen auf Nebraska und Kansas in Mitten dieses riesigen Landes und wundern uns über den Menschenschlag dort. Genauso geht es den Amerikanern an den Küsten, in den berühmten Metropolen New York, Los Angeles, San Francisco, Miami und Boston. Dass das unscheinbare Chicago die drittgrößte Stadt des Landes ist, wissen nur die wenigsten. So findet man auch eine Stadt voller Komplexe die nur darauf besessen ist, es allen anderen Städten der USA zu beweisen, wie gut man eigentlich ist.

Reisebericht

Beim Football gucken auf Kauai in Hawaii unterhielt ich mich längere Zeit mit Paul, einem Journalisten. Er reist seit Jahren der NFL, der amerikanischen Football Liga, hinterher und berichtet über die Spiele. Er war schon in jeder der 32 Städte der USA, die groß genug sind um ein Football Team zu haben. Seit einigen Jahren hat er sich auf Kauai niedergelassen, eine der kleineren Inseln des Hawaiianischen Archipels. Und wenn er sagt, die Menschen in Chicago wären im zu Kleinstädtisch, dann hat das was zu bedeutet. Wie kann das sein, bei 8,7 Millionen Einwohnern?
Bei näherer Betrachtung stellt sich aber heraus, dass Paul selbst eher kleingeistig ist. Er stammt aus irgendeinem Kaff in Montana. Seine durchaus rassistischen Kommentare über die dunkelhäutigen Trainer im Football lassen mich dann auch plötzlich schnell verstummen und ich habe kein Interesse mehr mich mit ihm zu unterhalten. Ich habe mal über solche Siedlungen in den USA gelesen: „Kleine Dörfer führen zu kleinen Geistern“. Bei Paul passte dies absolut.
Chicago dagegen ist keine Weltstadt wie New York, kein edles Kleinod wie Boston und kein Molloch wie LA. Chicago ist einfach eine große echte Arbeiterstadt. Aus allen Herren Ländern gibt es hier Menschen, die hart arbeiten und damit die Stadt zu einem industriellen Zentrum der USA gemacht haben. Das verdiente Geld fließt in die Kultur und die Freizeitangebote der Stadt. Deswegen verwundert es nicht, dass die drittbekannteste Luxusshoppingmeile in Chicago zu finden ist. Die Magnificent Mile ist zudem wesentlich länger und imposanter als der winzige Rodeo Drive in LA. Man kann in millionen Variationen Essen gehen, vom Italiener der Sich mit der Verwandtschaft zu Al Capone brüstet, bis hin zum hochpreisigen Signature Room im 95 Stock des John Hankock Center weit über der Magnificent Mile. Man muss Moate vorher reservieren um hier dinieren zu dürfen. Dafür sind sowohl die Aussicht, als auch das Essen und die Preise grandios. Die Preise eher im Sinne von grandios hoch. Dennoch habe ich es nicht bereut dort viele viele Dollar gelassen zu haben.
Chicago Hochbahn im Regen
Südlich im South Loop District wird es dunkel und laut. Die Hochbahn rattert und quitscht oberhalb von Straßen in denen nie die Sonne scheint. Dicke Polizisten stolzieren breitbeinig in den nächsten Donut Schuppen und Geschäftsleute stemmen sich mit wehenden Krawatten in den Wind. Eine ganz besondere Stadt dieses Chicago. Und vor allem auf jeden Fall eine Reise wert!

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Krieg und Reisen

In Weltreise on 27. Mai 2009 at 6:39 am

Soldat im Irak
Aufgrund aktueller Anlässe kam mir folgendes in den Sinn, mal etwas untypisch für Weltreiselust:
In Nordkorea wird mit Atomraketen geschossen, Iran gilt als Schurkenstaat und in Thailand wird kurzfristig das Kriegsrecht ausgerufen. Während Nordkorea nicht wirklich auf der Liste der wünschenswerten Ziele vieler Reisenden steht, ist Iran zum Beispiel eins der schönsten Länder im gesamten nahen Osten. Thailand ist sogar eins der beliebtesten Reiseländer der Deutschen überhaupt. Wie gehen wir damit um, wir Reisenden?
Viele Länder bieten eine gewisse Instabilität. Der Norden Indiens, die Straßen zwischen Ost und West Costa Rica, der Süden Thailands, Bali und der Rest Indonesiens, die Straßen Rios abseits der Touristenpfade.
Alles übertrieben? Mich interessiert eure Meinung!

Themenreihe: Sehnsucht nach Sydney

In Reisebericht on 20. Mai 2009 at 11:59 am

Sydneys Oper bei Nacht, Australien
„Unheilbares Down-Under-Syndrom“, so lautete die Diagnose nach mehreren sechswöchigen Australienbesuchen für Gastautorin Andrea. Eine Langzeittherapie musste her: 4 Monate Australien im Rahmen einer neunmonatigen Weltreise – das müsste die Sehnsucht doch stillen…

Reisebericht

Sehnsucht, die: Ein Gefühl der inneren Unruhe und des Aufbruchs. Beginnt zumeist mit einem Kribbeln im Bauch und lässt so lange nicht nach, bis vor dem geistigen Auge verlockende Bilder entstehen, die Hände zu einem Reiseführer greifen und langsam auch der Kopf der Sehnsucht nachzugeben beginnt. Durch das diffuse Krankheitsbild ist eine eindeutige Diagnose oft nicht möglich. Bleibt die Symptomatik unerkannt und unbehandelt, führt dies zu einem erschwerten Krankheitsverlauf mit unklaren Nebenwirkungen. Siehe auch Fernweh.

Alles begann einige Wochen nach meinem ersten Australien-Urlaub im Jahr 1991 mit der Selbstdiagnose „Leichtes Down-Under-Syndrom“. Zur Therapie folgten 1992 und 1994 zwei weitere sechswöchige Aufenthalte in diesem so faszinierenden Land. Bald zeigte sich, dass es sich bei der Erstdiagnose um eine Fehldiagnose gehandelt hatte: von „leicht“ war keine Rede mehr. Vielmehr zeigten sich bei mir alle Symptome eines „Chronischen Down-Under-Syndroms“.

Schwere Fälle erfordern radikale Maßnahmen, dachte ich, und versuchte es diesmal mit Entzug. Alternative Therapieformen standen damals hoch im Kurs; Reisen in andere ferne Länder, von Südafrika und Botswana, Thailand und Neuseeland bis hin zu Costa Rica und Jamaika sollten Linderung verschaffen. So traumhaft es oft auch war, mit dieser inneren Verbundenheit, die ich für Australien – das Land, die Leute, die Farben – empfand, konnte keine der anderen Destinationen mithalten. „Therapieresistent“, nennt man das, glaube ich, im Fachjargon.

Ich entließ mich mit der abschließenden Selbstdiagnose „Unheilbares Down-Under-Syndrom“ – gegen Revers und auf eigene Gefahr – aus der bisherigen Behandlungsserie. Und verordnete mir eine Langzeittherapie. 2008 nahm ich mir gemeinsam mit meinem Lebensgefährten Max eine Auszeit, deren Hauptziel eine Weltreise und insbesondere vier Monate in Australien waren. Vorsichtig, sehr vorsichtig näherte ich mich dem Land an: 14 Jahre sind eine lange Zeit, sagte ich mir. Wer weiß, ob es mir dort immer noch so gefällt? Nur nicht zu viel darauf freuen, um keine überzogene Erwartungshaltung heranzuzüchten, so mein Motto.

Am 10. März 2008 war es soweit. Nach 14 Jahren betrat ich erstmals wieder australischen Boden – Herzrasen und Bluthochdruck waren nur einige der Begleitsymptome an diesem Tag. Und wirklich: die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Einheimischen überraschte uns bereits am Flughafen von Sydney und sollte uns vier Monate lang begleiten – egal, ob in Tasmanien, an der Südküste, der Ostküste, dem tiefsten Outback oder dem tropischen Norden.

Auf der Suche nach einer Bleibe für zwei Wochen fuhren wir mit der Fähre in den wunderschön gelegenen Vorort Manly. Die berühmte Oper von Sydney und die Harbour Bridge wurden langsam immer kleiner, die Haare wehten mir um’s Gesicht, mein Gesicht zeigte etwas, was Max gerne als mein „Strahler 80-Lächeln“ bezeichnet, und mein Herz sang (glücklicherweise nur leise). Als wir 20 Minuten später am Hafen von Manly von Bord gingen, war ich ein neuer Mensch, unbeschwert wie selten zuvor. Hatte ich als medizinischer Laie hier mit der fährenbasierten Schnelltherapie womöglich einen Durchbruch in der Medizin geschafft?

Ein Bummel durch die nette Fußgängerzone brachte uns 10 Minuten später nicht nur an der anderen Seite des Ortes an’s Meer, sondern auch Gewissheit. Im Meer tummelten sich Surfer, Bodysurfer und Schwimmer, am Sandstrand und an der Uferpromenade fröhliche Erwachsene, Kinder, Läufer und Radfahrer. Sogar die Hunde wirkten hier glücklicher als anderswo. Neben dieser großen Portion Lebensfreude bot Manly auch jede Menge netter Cafés und Geschäfte – gepaart mit strahlendblauem Himmel und dem türkisesten Meer, das ich je gesehen habe.

Selten habe ich einen Slogan gehört, der so gut auf einen Ort zutrifft, wie jener von Manly: „Seven miles from Sydney, a thousand miles from care“. Keine Frage: genau hier wollten wir zwei stationäre Wochen verbringen.

Tatsächlich fanden wir nur eine Gehminute vom Meer ein Apartment. Und als wir uns mit unserem ersten Picknick am Strand unter die Einheimischen mischten, wusste ich, ich war angekommen – wenn auch alles andere als geheilt. Doch für einen fast schon langen Moment wäre es zulässig gewesen, auf meine Patientenkarte einen neuen Vermerk zu drucken: „Sehnsucht, gestillt!“

Dom über Wald

In Reisebericht, Reisetipp on 14. Mai 2009 at 10:58 am

Der Half Dome im Yosimite Calley, USA
Der Kölner Dom, der Dom von Speyer. Alle stehen mehr oder weniger unversehrt in Städten herum und ragen aus dem Häusermeer. Im Gegensatz zum berühmtesten Dom der USA sind sie aber nur Zwerge. 2.693 m erhebt sich der „Half Dome“ über den sanften Wäldern des Yosemite-Nationalpark. Ein riesiger Granitfelsen, durch Erosion fast halbiert, trohnt er über dem Tal. Es gibt nur wenige Orte auf dieser Welt, die einen so atemlos am Aussichtspunkt stehen lassen, wie das berühmte Yosimite Valley. Mitten im gleichnamigen Park gelegen bietet es nicht nur die zwei grandiosen Felskulissen von Half-Dome und El-Capitain. Nein es stützen auch riesige Wasserfälle in die Tiefe, Flüsse und Seen spiegeln den blauen Himmel und sanfte Wälder säumen die felsigen Steilwände.
Yosimite Valley und Half Dome
Naturromantik wie aus der Phantasie der Maler der Romantik. Tausendmal fotografiert, Kulisse hunderter Filme. Dennoch ist es etwas ganz anderes wenn man selber im Tal steht. Im Frühjahr und Spätherbst, wenn die Touristen ausbleiben und Schnee hoch oben in den Bergen liegt, die kalte klare Luft im Gesicht brennt und man fast alleine neben dem donnernden Wasserfall steht oder den einsamen Trail entlang stiefelt – dann ist es hier am schönsten. Aber auch Frühmorgens oder bei Sonnenuntergang, wenn die Felsen in der Sonne glühen. Yosimite lässt staunen.

Insider Tipp

Im Sommer wird es voll, gerade am Wochenende. Die Touristen steuern im stockendem Verkehr die regelmäßigen Viewpoints an, um die Aussicht zu genießen und zu fotografieren. Während dieses Panorama schon toll ist, wirklich atemberaubend wird es, wenn man einen der zahlreichen Trails entlangwandert. So kann man entlang des Panorama Trails oder des four-mile-Trail regelmäßige Blicke auf das Valley erhaschen ohne von Abgaswolken eingehüllt zu sein. Noch spannender ist das „Little Yosimite Village“ direkt hinter dem Half Dome. Hier kann man sein Zelt in der freien Natur aufschlagen und bis zur Abbruchkante des Granitfelsens wandern. Aber Achtung, aufgrund der zahlreichen Überbleibsel der zeltenden Backpackern wird diese Stelle sehr gerne von Bären besucht……

Oasen in Hektik

In Uncategorized on 11. Mai 2009 at 4:18 pm

Badenburgsee am nymphenburger Schloss in München im Herbst
Nach Hawaii und dem Jemen erscheint es banal sich mit heimischen Zielen zu beschäftigen. Aber für den kurzen Wochenendtrip muss und kann man ja nicht immer in die Ferne fliegen.

Reisetip

Eines der lohnenswertesten Ziele ist dabei sicherlich München. Diese 1,4 Millionenstadt hat mit dem zweifelhaften Image zu kämpfen die Snobhauptstadt der Republik zu sein. Gleichzeitig trägt man am Volksmusikbalast doch schwer.
Abseits der ausgetretenen Pfade, also dort wo wir Individualreisenden uns am liebsten bewegen, findet man aber ganz viel Leben und noch mehr Gemütlichkeit. Während also die Busladung Japaner in den Autobahnraststätten-Biergarten am Chinesischen Turm im Englischen Garten pilgert, sitzt der Münchner ganz woanders um sein Bier zu genießen.Und wer wäre ich, wenn ich solche Geheimtipps meiner Heimatstadt nicht weiter geben würde! Heute also das oft vergessene München-Nymphenburg.
Der Nymphenburger Schloßpark gehört zu den schönsten Parkanlagen, die ich je gesehen habe. In der Mitte, direkt hinter dem Schloss findet sich ein sauber angelegter Zierpark, wie ihn jedes Schloss der Welt sein eigen nennt. Nimmt man allerdings den Eingang auf der ganz linken Seite und hält sich dann wieder links, dann kommt man in die Teile des Parks, die nur Einheimische kennen. Denn die auch hier üblichen Touristenmassen verirren sich selten in die tiefer im Park gelegenen Regionen, sondern bleiben im Zierpark und bei Problembär Bruno im Schlossmuseum.
Hällt man sich also links, so kommt man bald an eine kleine Siedlung an einem Stauwehr. Folgt man dem dort vorbeiführenden Kanal, so kommt man zum Badenburgsee. Hier finden sich unter alten Bämen zahlreiche Sitzgelegenheiten. Gerade im Herbst eine absolute Augenweide. Und schnell vergisst man, dass man sich Mitten in einer Millionenstadt befindet.
Während also langsam die Sonne untergeht und die Blätter rot färbt, wünscht man sich vielleicht zurück unter Menschen. Verlässt man den Park also dort, so man ihn betreten hat und hällt sich rechts, so kommt man in die Hirschgartenallee. Folgt man dieser Straße für ca 500m, so endet Sie in einem der schönsten und dem größten Biergärten Münchens, dem Hirschgarten. Hier findet man echtes Biergartenflair. Keine besoffenen australischen Touristen, keine Schulklassen und keine Seniorentouren. Den Bierkrug spült man gefälligst selbst und wer ein „Weizen“ statt ein Weißbier bestellt, wird nicht bedient…..
Am Ende des Tages spaziert man noch durch Lachnergasse und Co und freut sich über die Prachtvollen Jugendstilvillen in denen man selbst nie wohnen wird, da hier unter 1,5 Millionen nichts zu holen ist. Sollte doch ein Leser zu denen gehören, die sich das leisten können…dieser Blog braucht noch einen Mäzenen. Alle anderen dagegen werden wohl eher in die U-Bahn Richtung Hotel steigen und froh sein auf diesen Blogger gehört zu haben und München einmal „richtig“ erlebt zu haben.

BHirschgarten Biergarten in München