weltreiselust

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Dunkle Gestalten

In Reisebericht on 29. April 2009 at 11:49 am

Kiosk in Krakau, Polen

Reisegeschichten

Das Kiosk in Polen ist etwas ganz besonderes. Dort kauft man Fahrkarten für die Straßenbahn, den Bus oder andere Verkehrsmittel. In Krakau sind die meisten Kioske grün und überall mit den Covern der Hochglanzmagazine beklebt. Aus irgendeinem nur in Polen möglichen, unerfindlichem Grund gibt es nur eine winzige Öffnung zum Verkauf. Diese ist auch noch unnatürlich weit unten angesiedelt, so dass sich der Kaufende immer herunterbeugen muss.

Man verbeugt sich geradezu vor der unsichtbaren Person im Dunkel der kleinen Kammer. Denn es ist immer dunkel in diesen Kiosken. Die Phantasie dreht Kreise – dunkele Schattengestalten mit riesigen Augen, Radiosüchtig und unfreundlich, die ihren Lebensraum nur Nachts verlassen. Und die rauchen, wie so manche verdächtige Rauchwolke aus der Luftöffnung verrät. Gottseidank gibt es noch Litfasskioske, Litfasssäulen, hohl und mit einem Kios versehen. Im Sommer öffnen diese absonderlichen Konstruktionen ihre Türen und offenbaren einen Blick hinter die Fassade und das Guckloch der polnischen Kioske. Und es sind doch ganz normale Menschen, die dort zum Vorschein kommen…
Litfasskiosk

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Farben unter Himmel

In Reisebericht on 23. April 2009 at 3:01 pm

Künstler am Florianstor in Krakau, Polen
Florianska ist ein schöner Name, besonders für ein Stadttor. Das macht die polnische Sprache möglich. Obwohl als hart geltend, gibt es solch schöne weiche Worte. Brama Florianska klingt doch schöner als das deutsche „Florianstor“. Wobei der pingelige Deutsche gerne noch ein „St.“ vor den Florian hängt. Das Objekt dieser sprachlichen Verwirrungen steht übrigens in Krakau im Süden Polens. Mitten dieser wunderschön restaurierten und vor Sehenswürdigkeiten wimmelnden Stadt, geht das Florianska Tor gerne unter. Dabei ist so sehenswert. Nicht wegen der Bauweise, nicht weil es das einzige erhaltene Stadttor ist – es ist der Kunstmarkt. Pragmatisch wie die Polen sind, haben sie nämlich den Fakt, dass das Tor weitestgehend aus Holz besteht und ein Vordach besitzt, schnell für sich genutzt. Ein paar hundert Nägel und schon entsteht ein outdoor Kunstmarkt. Es wimmelt vor schlechten Kopien großer Meister und farbigen Eigenkreationen. Auch wenn es sich oft nicht um große Kunst handelt, ist alleine das Ambiente sehenswert. Mit langen Stangern werden Bilder von den Wänden geholt und daraufhin wird lautstark um den Preise gefeilscht. Wohl dem der Ponlisch kann oder jemand dabei hat der Polnisch spricht, denn dann halbieren sich die Preise wie von Geisterhand.
Der Polnischen Seele ist es allerdings zu verdanken, dass es einiger Überzeugungsarbeit bedarf um den Künstler dazu zu bewegen ein Bild von der Wand zu nehmen. Jammern gehört nämlich zur Grundausstattung. Auch bei meinem Besuch dort war es so. Schwerfällig setzt der Künstler sich in Bewegung, schwerfällig und klagend nimmt er das Bild von der Wand. Erstaunlich leicht geht im dafür die Preisverhandlung von der Lippe, an der noch eine Zigarette hängt. Sie klebt dort wie angewachsen, gebrannt hat sie seit Minuten nicht mehr. Trotz polnisch sprechender Begleitung werde ich als Niemiecki, als Deutscher erkannt. Weitere Verhandlung sinnlos.Wie so oft im von mir heißgeliebten Handeln, ist es mir eigentlich egal ob ich am Ende was kaufe oder nicht….. Als ob es darum gehen würde.

Reisebericht: Silbersurfer an der Steilküste

In Reisebericht on 20. April 2009 at 7:58 am

Big Sur Brücke am Highway Number One<h2>Reisebericht</h2>

Eine legendäre Straße führt die Pazifikküste der USA entlang – die Route Number One. Ein Abschnitt der Transamericana, die von Alaska nach Feuerland führt. Eng schmiegt sich die Straße an die Steilküste des Pazifik. Von Monterey aus nach Süden heißt sie auch Cabrillo Highway und führt durch das absolute Niemandsland von Traumbucht zu Traumbucht. Viel schneller fährt man inländisch über die Interstate 101. Immer geradeaus, den Tempomat auf 75 Meilen.

Die Route Number One dagegen macht Kurve um Kurve, mit 25 Meilen pro Stunde schleicht man dahin, laufende Stops an den regelmäßigen „View Points“ nicht eingerechnet. Es gibt keine Tankstellen, keine Imbisswagen, keine Dörfer und keine Schoppingmalls entlang dieser Straße. Es gibt nur Asphalt, Meer und Fels. Den ganzen Morgen staunt man über die Wunder der Natur, atmet die Seeluft ein und lauscht dem Grollen der Brandung an den schwarzen Felsen.

Nach endlos schönen Kurven öffnet sich das Land und über eine Küstenlandschaft wie in der Normadie, fährt man auf die erste Siedlung seit Stunden zu. Ein paar Motels zusammengepfercht an den Highway. San Simeon. Eines der Motels trägt den schönen Namen „Silversurf Motel“. Nichts besonderes, sauber und nett. Gegenüber kann man runter zum wilden Strand. Die Brandung schleudert Gicht über die kleine Bucht und ein einsamer Seehund liegt träge in der Abendsonne. Die kleine Brücke über den namenlosen Fluß glüht in der Abensonne. Aus dem Silversurf Shop haben wir ein paar Getränke und spärliches Essen besorgt, aber bei diesem Ambiente wird es zu einem Festmahl-Piknik. Die Sonne geht langsam unter. Was für ein Tag….

Das echte Leben

In Reisebericht on 13. April 2009 at 7:12 pm

Highway in South Carolina
Der Süden der USA ist anders als die touristisch bekannten Staaten wie Californien, Nevada oder Connecticut. South Carolina ist ein sumpfiger Küstenstreifen und ein bewaldetes Hinterland. An der Küste liegen ein paar touristischer geprägte Orte, wie Myrtle Beach oder Charleston. Aber bereits wenige Meilen landeinwärts beginnt die große Provinz. Startet man im bekannten Golferort Myrtle Beach und folgt dem Highway 17 Richtung Westen, so kommt man nach Conway. Ein Highway – eine Stadt. Wer auf dem Highway steht, sieht alle Häuser. Dahinter biegen Dirt Roads ab. Dort lebt der „White Trash“, echte „Rednecks“ in abgewrakten Trailerparks. Die Menschen dort haben nicht viel vom Leben bekommen und auch nichts mehr zu erwarten. Außer dem gelegentlichen Dosenbier und ausufernden Rassismus.
Die Lage der schwarzen Bevölkerung ist in South Carolina so wie in vielen anderen Bundesstaaten. Man bekleidet überwiegend niedere Posten und man fährt Bus. Ich stieg auch in so einen Bus ein, mehr als einmal. Fast immer war ich der einzige Weiße in diesem Bus. Bis auf eine Krankenschwester, die auch damit zur Arbeit fuhr. Die Busse waren alt und fuhren nur sehr unregelmäßig. Zu selten um als akzeptables Nahverkehrsmittel zu gelten. Dann stand man dort und wartete. Und einigte warteten nur um zum nächsten Job zu fahren.
Reich und Arm ist dieser Staat. Neben den Trailerbesitzern und Busfahrenden blüht der Golftourismus. Und wer sich niederlassen will um nur noch dem Hobby zu frönen, der kauft ein Haus in einer bewachten Wohnanlage. Mit Schranke und Wachschutz. 30 Häuser sind eine Neighborhood. Rund herum nur Wald. Ein paar Kilometer weiter die nächste Siedlung, verbunden nur über den Highway. Das nennt man dann Stadt. Immer wieder ein Golfplatz. Über hundert nur rund um Myrtle Beach.
South Carolina ist aber auch ein buntes Land, voller Blumen und riesigen Schmetterlingen. Es duftet nach Zedern und sehr oft nach der guten Südstaatenküche. Einflüsse aus der indianischen, afrikanischen und kreolischen Küche mischen sich zu einem würzigen und erstaunlich gesunden bunten Mischmasch. Die erhaltenen Relikte aus der Kolonialzeit bieten die wenigen bekannten touristischen Höhepunkte, meist entlang der wunderschönen einsamen Strände. Inländische Städte wie Florence sind absolut unbekannt, doch durchaus sehenswert. Es ist halt das echte amerikanische Leben, abseits der Hollywoodwelt. Es ist wie Bielefeld. Aber es lohnt sich anzuschauen, um zu sehen wie die Welt wirklich aussieht, in einem Land von dem man denkt man kennt es.

Brücke

Menschen in einem weiten Land

In Reisebericht on 10. April 2009 at 3:34 pm

Highway Nr 12 in Utha

Reisebericht

Utha ist einer der seltsamsten Orte auf dieser Welt. Voller Wüste, Weite, Bergen und grünen Wiesen. Rote Canyons, von den Urgewalten Wasser und Wind aus dem weichen Sandstein geschnitten, bilden seltsame Formationen, messerscharfe Kanten und himmelshohe Bögen. Die Wunder der Natur im Arches National Park, im Zion Canyon oder im Bryce Canyon gehören zu den beeinduckensten in der ganzen Welt. Doch das Land darum ist leer. Der Bryce Canyon, eine Ansammlung von Gesteinsformationen in Form von Amphitheatern ist sehenswerter als die Zugspitze in Deutschand, doch während sich dort ganze Ortschaften dem Tourismus verschrieben haben und Bettenburg nach Bettenburg gebaut wurde, gibt es am Bryce Canyon genau zwei winzige Hotels. Das Ruby´s Inn mit Tankstelle und Touri Supermarkt und die Bryce View Lodge gegenüber.
Ein wenig die Straße runter in Richtung Highway steht mitten im Nirgendwo ein Diner. Zwei bis drei Gäste verirren sich am Abend vieleicht dorthin. Country Musik und Kunsstoff überzogene Sessel erwarten den Gast. Der Blick aus dem Fenster geht über die angrenzenden Hügel hinweg. Ein endloser Blick in die Leere eines viel zu großen Landes. Die Karte ist amerikanisch, der Koch kommt aus dem Ausland. Philippinen oder so, wohl eine der vielen „illegal Immigrants“. Wie ist er dort gelandet? Man verlässt seine Heimat, geht nach Amerika, und landed mitten in Utha. Keine Stadt, keine Siedlung, nur ein paar einsame Häuser.
Die Burger sind mächtig und lecker. Der Mann versteht sein Handwerk. Vieleicht war es eine Stellenanzeige. Gesucht Koch, ruhiger Arbeitsplatz, Auto benötigt.

Unterhalb des Bryce Canyon liegt auch ein Nationalpark der Grand Staircase-Escalate Nationalpark. Es gibt keine befestigte Straße die wirklich hindurch führt. Aber dort wohnen Menschen. Abseits der Dirt Roads, kleiner Sand und Schotterstraßen stehen Häuser. Manchmal nur verraten durch einen Briefkasten an der „Straße“. Lebt hier auch unser Koch? Und war es das Leben, dass er wollte, als er seine Heimat verlassen hat? Wir werden es nie erfahren. Ich konnte ihn nicht fragen. Aber es sind Geschichten wie solche, die einen Neugierig machen, die einen Reisen lassen.
Grand Staircase Escalante National park Utha, USA